Zwei Drittel der Bürger plädieren für den Erhalt der Freiheit im Netz, aber fast ebenso viele fordern mehr Regeln und Überwachung. In der Bevölkerung herrscht Unsicherheit, es besteht Bedarf an Aufklärung und Information.
Berlin (red) - In der Internet-Politik haben die Deutschen hohe und teils gegensätzliche Erwartungen: So sagen zwei Drittel der Bürger, die Freiheit im Internet müsse erhalten bleiben. Gleichzeitig fordern fast ebenso viele vom Staat strengere Regeln und eine stärkere Überwachung des Datenverkehrs. Dies ergab eine repräsentative Studie des Umfrage-Instituts Aris im Auftrag des Bitkom. Das zeigt, dass viele Menschen unsicher sind und in der Frage nach dem Verhältnis von Freiheit und Sicherheit Orientierungshilfen benötigen.
Im Spannungsfeld zwischen Freiheit und Sicherheit gibt es Generationenunterschiede. Die Jüngeren bis 29 Jahre sprechen sich am stärksten für Freiheit aus, zu 77 Prozent. Ältere ab 65 Jahren haben hingegen weniger Bedenken gegen staatliche Eingriffe – nur 31 Prozent sind gegen staatliche Zensur. In den Altersgruppen bis 49 Jahre lehnt dies jeder Zweite klar ab. Auch in der Praxis sind die Unterschiede groß: Einige haben große Angst vor Überwachung und Ausspähung, sodass sie auf Online-Transaktionen lieber verzichten. Andere offenbaren in Internet-Communitys wie StudiVZ oder Facebook ihr ganzes Privatleben. 40 Prozent der Deutschen, und damit fast doppelt so viele wie im Vorjahr, sind in solchen Online-Gemeinschaften aktiv.
"Politik und Wirtschaft müssen die Anwender mit den Informationen für einen starken Selbstschutz im Netz ausstatten", sagte Bitkom-Präsident Scheer. "Sicherheit und Datenschutz funktionieren nicht ohne die Mitwirkung der Nutzer." Seiner Ansicht nach werden Initiativen zur Aufklärung immer wichtiger, da viele Nutzer zu sorglos mit ihren Daten umgingen. Eine Mehrheit der Internet-Nutzer (55 Prozent) sieht die Hauptverantwortung für den Datenschutz bei sich selbst. Jedem zweiten Anwender (47 Prozent) fehlen noch Informationen, was er für den Schutz seiner Daten im Internet tun kann. 36 Prozent der Nutzer halten vor allem den Staat für den Datenschutz im Web zuständig, acht Prozent die Wirtschaft.